Nachfrage naturnaher Tourismus

Eine steigende Zahl von Gästen sucht authentische Natur- und Kulturerlebnisse in landschaftlich intakten Gebieten. Ursache fĂĽr diesen Trend bildet ein gesellschaftlicher Wandel, in dem Werte wie Gesundheit, Zeit und Muse sowie Ruhe und Stille wichtiger werden. Der naturnahe Tourismus verspricht fĂĽr viele Besucher besonders diese WĂĽnsche und BedĂĽrfnisse einzulösen. Destinationen, welche ĂĽber attraktive naturnahe Angebote verfĂĽgen, können von einer steigenden Nachfrage profitieren. Um eine geeignete Positionierung und Angebotsentwicklung zu erreichen, mĂĽssen die Destinationen und ihre Leistungsträger die Zielgruppen, deren Charakteristiken und Präferenzen kennen und diese in der Kommunikation bewusst ansprechen.

Das Schneeschuhwandern erfreut sich steigender Beliebtheit, sollte in sensiblen Gebieten aber gelenkt werden © ILF-HSR

Markttrends des naturnahen Tourismus

Verschiedene Studien und Autoren gehen davon aus, dass der globale Markt für den naturnahen Tourismus weiterhin stark ansteigt. Ein weiteres Kennzeichen des naturnahen Tourismus ist die immer stärkere Spezialisierung und Diversifizierung. Nach Schätzungen der UNWTO sind rund 10 bis 20 Prozent aller internationalen Reisen mit Naturerlebnissen verknüpft. In Nordeuropa wird der Anteil noch höher und für Finnland auf ein Drittel aller Reisen geschätzt (Fredman und Tyrväinen 2010).

 

Viele Fachleute sind der Auffassung, dass der naturnahe Tourismus in Westeuropa rascher wächst als die Tourismusindustrie insgesamt. Der naturnahe Tourismus war ein ursprünglich typisch postfordistischer Nischenmarkt, der zu einem Markt mit neofordistischen Strukturen herangewachsen ist. Dies bedeutet, dass einige Anbieter kleine und spezialisierte Angebote für spezifische Zielgruppen bereitstellen, während andere hochstandardisierte Pauschalen für den Massenmarkt generieren. In diesem Sinn sind die Gäste des naturnahen Tourismus heute als heterogene Zielgruppe zu beschreiben. Das naturnahe Tourismussegment ist zu einem komplexen und sich kontinuierlich verändernden Teil der Tourismusindustrie geworden (Arnegger et al. 2010).